15. April 2026
Eigenbau hebt ab: ENO-Azubis entwickeln eigenen Multicopter
Projekt verbindet CAD, 3D-Druck und Flugsteuerung – Unterstützung beim Erstflug durch den Flug- und Modellbau-Club Dietzenbach

OFFENBACH/DIETZENBACH, 15. April 2026. Ein letzter Check am Rahmen, ein kurzes Surren der Propeller – dann steigt der Multicopter ruhig und kontrolliert in die Luft. Acht Auszubildende der Energienetze Offenbach GmbH (ENO) haben ihre erste Drohne selbst geplant, konstruiert, gefertigt und programmiert: sechs Elektroniker sowie zwei Mechatroniker aus dem zweiten Lehrjahr. Für die Nachwuchskräfte war es mehr als ein Technik-Gimmick – es war ein Projekt, das Ausbildung greifbar macht.
„Wir wollten den Azubis ein Vorhaben geben, in dem digitale Planung, 3D-Druck und moderne Steuerungstechnik wirklich zusammenkommen“, sagt Andreas Bürgam, technischer Ausbilder bei der ENO. Der Auftrag an das Team: eigenständige Projektplanung, Bauteilrecherche und saubere Dokumentation – anschließend Konstruktion per CAD, Fertigung zentraler Teile im 3D-Druck und der Aufbau mit Motoren, Reglern und Steuerplatinen. Der Knackpunkt lag nach Worten von Bürgam in der Software: Flugsteuerung konfigurieren, Sensorik einbinden, testen – und dann nachjustieren, bis das System stabil läuft. Bürgam: „Genau dort haben unsere Azubis, wie man Fehler systematisch findet und als Team Lösungen entwickelt – das sind Fähigkeiten, die später auch im Netzbetrieb zählen.“
Für den Jungfernflug holte sich die ENO Unterstützung vom Flug- und Modellbau-Club Dietzenbach. Auf dem Vereinsgelände wurden gemeinsam letzte Einstellungen vorgenommen, bevor die Drohne abhob. Vereinsvorsitzender Jürgen Kaiser berichtet: „Die Azubis kamen sehr gut vorbereitet. Am Platz haben wir nur noch Feineinstellungen gemacht – ein gutes Beispiel dafür, wie viel technisches Können in der regionalen Ausbildung steckt.“ Der Erstflug verlief nach Angaben der Beteiligten stabil und kontrolliert. Bürgam betont, die Kooperation habe den sicheren Praxisrahmen geliefert – vom Startprotokoll bis zum richtigen Verhalten bei Wind.
Wie es weitergeht, ist bereits klar umrissen: Als nächstes will das Team zusätzliche Sensorik integrieren, eine Wärmebildkamera prüfen und Reichweitentests unter realen Bedingungen durchführen. Der Multicopter ist damit nicht nur ein Ausbildungsprojekt, sondern auch ein Baustein für mögliche Anwendungen – etwa bei Sichtkontrollen von Leitungen, bei denen drohnenbasierte Bilder und Wärmebildtechnik unterstützen können.
Die ENO ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Energieversorgung Offenbach AG (EVO). Zusammen verweisen sie auf derzeit 37 Auszubildende und mehrfachen IHK-Lob für ihre Nachwuchsförderung; der Multicopter steht beispielhaft für den Anspruch, moderne Inhalte in die Ausbildung zu holen. „Wer Technik lernen will, braucht Aufgaben, die fordern – und die am Ende ein Ergebnis liefern, das man sehen kann“, sagt Bürgam. Wer sich dafür interessiert: Bei der ENO gibt es aktuell noch freie Ausbildungsplätze zur Elektronikerin oder Elektroniker für Betriebstechnik (Infos unter www.evo-ag.de/karriere). Und auch der Flug- und Modellbau-Club Dietzenbach freut sich über interessierten Nachwuchs, der sich für Modellflug und Technik begeistert (www.fmc-dietzenbach.org). Zu den Kernaufgaben der ENO zählen Planung, Bau, Betrieb und Instandhaltung der Verteilernetze inklusive der Netz- und Hausanschlüsse in Stadt und Kreis Offenbach.