04. September 2026
EVO startet größtes Wärme-Projekt in ihrer Geschichte
Rund 200 Millionen Euro für eine sichere und regionale Wärmeversorgung in Stadt und Kreis Offenbach / Baubeginn im Oktober


OFFENBACH, 4. September 2026. Die Energieversorgung Offenbach AG (EVO) stellt die Weichen für die Wärmezukunft der Region. Mit Investitionen von rund 200 Millionen Euro in den kommenden Jahren entsteht eines der bedeutendsten Infrastrukturprojekte in der Geschichte des Unternehmens. Bereits im Oktober sollen die Bauarbeiten für das rundum modernisierte und erweiterte EVO-Energiewerk an der Dietzenbacher Straße beginnen. Die vorbereitenden Arbeiten sind bereits dieser Tage angelaufen.
Das neue Energiewerk bildet das Herzstück einer sicheren und regionalen Wärmeversorgung für Offenbach und den Kreis Offenbach. Ziel ist, die Nutzung von Abwärme aus der thermischen Abfallverwertung deutlich zu steigern. Die nutzbare Wärmeleistung soll von derzeit 45 auf künftig 63 Megawatt wachsen, ohne dass dafür zusätzlich Abfälle verbrannt werden müssen. Das Mehr an Energie von 18 Megawatt entspricht dem Wärmebedarf von rund 10.000 Drei-Personen-Haushalten im Jahr. Ermöglicht wird dies durch innovative Technologien wie die Turbinenabdampfnutzung und die Rauchgaskondensation. Schon heute versorgt die EVO rund 40 Prozent der Offenbacher Haushalte sowie Teile von Heusenstamm, Dietzenbach und Neu-Isenburg mit Fernwärme.
Offenbachs Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke, der auch stellvertretender EVO-Aufsichtsratsvorsitzender ist, ordnet das Projekt ein: „Schon seit Anfang der 2020er Jahre verfolgen wir politisch als Stadt und auch über unsere Anteile an der EVO eine sehr klare Strategie, die drei Ziele verfolgt: Erstens: Aus ökologischen Gründen sollen mehr Menschen Fernwärme bekommen können, wenn sie das wollen. Zweitens: Wir denken schon heute an die Frage, wie im Sinne bezahlbaren Wohnens und bezahlbarer Nebenkosten die Preise bei der Fernwärme für die Verbraucherinnen und Verbraucher langfristig, also etwa in der zweiten Hälfte der 2030er Jahre, möglichst stabil bleiben können, um Schritt für Schritt auch ökonomisch mit der Fernwärme wettbewerbsfähiger zu werden. Für dieses langfristige Ziel investieren wir jetzt massiv. Drittens: Im Sinne der Versorgungssicherheit für die Menschen hier in der Region wollen wir unabhängiger von den internationalen Energie- und Rohstoffmärkten werden.“
Der Oberbürgermeister machte zugleich darauf aufmerksam, dass solche Strategien sich nicht auf dem Papier entscheiden, sondern dadurch, dass sie umgesetzt werden: „Die erhebliche Verbesserung der Nutzung von Abwärme nicht nur aus Rechenzentren, sondern hier auch in unserem eigenen EVO-Energiewerk, leistet einen wesentlichen Beitrag zu allen drei Zielen: Es steht mehr Abwärme zur Verfügung, zugleich wird die Abwärme effizienter genutzt und dadurch auf Dauer preislich stabiler, was sie auf Dauer auch kostengünstiger als immer teurer werdende fossile Energieträger macht – und wir werden unabhängiger von Energie aus Konfliktregionen.“
Dr. Schwenke verwies in diesem Zusammenhang auf den russischen Überfall auf die Ukraine, die Konflikte im Nahen Osten und die aktuelle Auseinandersetzung um die Straße von Hormus. „Mit dem EVO-Projekt bleibt die Wertschöpfung hier in unserer Region. Unser Geld fließt nicht in die Kassen von Diktatoren wie etwa den Mullahs oder Putin. So funktioniert vernünftige Kommunal- und Unternehmenspolitik“, ergänzte Dr. Schwenke.
Carsten Müller, Erster Kreisbeigeordneter des Kreises Offenbach, unterstrich die regionale Bedeutung der Investitionen: „Die Wärmewende endet nicht an den Stadtgrenzen Offenbachs. Viele Bürgerinnen und Bürger im Kreis profitieren bereits heute von der Fernwärme der EVO. Deshalb ist dieses Projekt von zentraler Bedeutung für die gesamte Region. Es stärkt die Versorgungssicherheit, reduziert CO₂-Emissionen und zeigt, wie kommunale Unternehmen Verantwortung für die Zukunft übernehmen.“
Bekanntlich hat die EVO angekündigt, auf den Einsatz von Kohle zur Wärmeerzeugung zu verzichten. Das Heizkraftwerk am Nordring in Offenbach soll daher in den nächsten Jahren stillgelegt werden. „Wir bauen nicht einfach eine neue Energieanlage. Wir schaffen jetzt die Grundlage dafür, dass Zehntausende von Menschen auch in den kommenden Jahrzehnten zuverlässig mit Wärme versorgt werden können“, sagte EVO-Vorstandsvorsitzender Dr. Christoph Meier zum Baubeginn im Energiewerk und fügte hinzu: „Dieses Projekt ist ein Versprechen an die Region. Wir investieren heute mit Weitsicht und Verantwortung, damit auch kommende Generationen von einer sicheren Energieversorgung profitieren.“
Am Energiewerk will die EVO künftig Abdampf aus der Turbine mittels Verdichter komprimieren und auf ein Temperaturniveau von mehr als 120 Grad Celsius bringen, um damit die Fernwärmesysteme beheizen zu können, berichtet die EVO-Technikvorständin Dr. Catharina Friedrich. Das zweite Projekt im Energiewerk ist die Rauchgaskondensation. Dabei wird Restwärme aus dem rund 140 Grad Celsius heißen Rauchgas entnommen, um damit Fernwärme bereitzustellen. Frau Dr. Friedrichs Worten zufolge ist die Offenlage sämtlicher Unterlagen beim Regierungspräsidium Darmstadt erfolgt – innerhalb der vorgeschriebenen Frist habe es keine Einwendungen gegeben. Der Generalunternehmer für das Projekt zur Turbinenabdampfnutzung sei bereits im Mai beauftragt worden.
Parallel zur Erweiterung des Energiewerks errichtet die EVO auf dem Gelände des ehemaligen Kraftwerks im Offenbacher Nordend eine neue Energiezentrale. Dort wird künftig eine leistungsstarke Wärmepumpe mit mindestens zehn Megawatt thermisch zum Einsatz kommen. Erstmals soll dabei die Abwärme eines benachbarten Rechenzentrums genutzt werden. Bekanntlich erzeugen Computer in Rechenzentren viel Wärme; doch bisher entweicht diese Energie vielerorts ungenutzt in die Umwelt. Die EVO will diese Abwärme in ihr Netz einspeisen. „Für diese Wärme muss keine Kohle, kein Erdgas und kein Erdöl mehr verbrannt werden“, berichtete Frau Dr. Friedrich weiter. Dazu kämen zwei moderne Heißwassererzeuger mit insgesamt 80 Megawatt, die künftig Wärme für die Verbraucher bereitstellen. Gleichzeitig werde das bestehende Fernwärmenetz weiter ausgebaut und modernisiert.
„Unser Ziel ist es, jede verfügbare Kilowattstunde Energie intelligent zu nutzen“, sagte die EVO-Technikvorständin weiter. „Wir gewinnen deutlich mehr Wärme aus bestehenden Prozessen, ohne zusätzliche Ressourcen einzusetzen. Das macht unsere Versorgung nachhaltiger und unabhängiger.“
Bereits seit Oktober 2025 arbeitet die EVO am Bau einer neuen Fernwärme-Transportleitung zwischen Energiewerk und Offenbach. Die Fertigstellung ist für 2028 vorgesehen. In den vergangenen Jahren investierte das Unternehmen zudem rund 50 Millionen Euro in eine neue Rauchgasreinigung und eine moderne Klärschlammbehandlungsanlage.
„Die große Unterstützung aus Politik, Verwaltung und Bürgerschaft zeigt, dass wir gemeinsam an einem Ziel arbeiten“, sagte Dr. Meier abschließend. „Die Wärmewende ist eine Generationenaufgabe. Mit diesen Investitionen machen wir sie in Offenbach und im Kreis konkret erlebbar. Darauf dürfen wir gemeinsam stolz sein.“